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Wer ist ein echter Gamer? Memes zu dem Thema kursieren zahlreiche in den sozialen Medien, einige selbstironisch und humorvoll, andere elitär oder herablassend. Was aber so gut wie allen gemein ist, ist der, meist glücklose, Versuch, mit einem Satz zu definieren, wer sich „echter Gamer“ nennen darf. Ich möchte hier daher eine etwas umfassendere und ernster gemeinte Definition unter Lupe nehmen und zwar die Top-Definition von Urban Dictionary. Diese beginnt folgendermaßen:

„Ein echter Gamer ist jemand, der regelmäßig Zeit mit Spielen am PC oder der Konsole verbringt, mindestens drei bis viermal in der Woche. Die Spielstunden können von einer Stunde pro Session bis zu mehreren Stunden variieren. Dieses Verhalten muss für einen längeren Zeitraum anhalten (mehr als vier bis sechs Monate).“

Echter Gamer

In God of War, wie im Real Life, kein Freund des Gamers: Zeitgott Cronos

Und hier ist meines Erachtens bereits der erste große Fehler! Was ist mit Menschen, die zwar spielen wollen, aber nicht die Zeit haben, wie Alleinerzieher, Pendler, Schichtarbeiter? Können sie keine echten Gamer sein, weil ihnen die Zeit fehlt? Im Sinne dieser Leute würde ich den Zeitfaktor klar aus einer möglichen Definition dessen streichen, was sich wahrer Gamer nennen darf.

Weiter heißt es bei Urban Dictionary:

„Ein echter Gamer spielt, um Spaß mit seinen Freunden zu haben. Er genießt es, zu gewinnen, aber für allem geht es ihm um die Freunde an der Unterhaltung.“

Echter Gamer

Soziale Aspekte sind in vielen Spielen wichtig, aber nicht in allen, wie Singleplayer-Hits wie Fallout beweisen

Ein schöner Satz, ohne Frage, doch definiert er eher, was ein netter oder umgänglicher Gamer ist, als was ein echter Gamer ist. Dieser Teil der Definition würde Pro-Gamer, die auf Turnieren spielen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ausschließen, denn diesen Leuten geht es ganz klar um den Sieg gegen Fremde und nicht um den Spaß mit Freunden. Ebenso trifft diese Aussage nicht auf Gamer zu, deren Freunde ihr Hobby nicht teilen. Natürlich könnte ein solcher Gamer versuchen, andere von den Vorzügen seiner Leidenschaft zu überzeugen, aber das ist zwingend notwendig, um ein echter Gamer zu sein. Ein Gamer ist nicht notwendiger Weise missionarisch, vor allem nicht, wenn er bevorzugt Singelplayer-Titel zockt. In vielen Spielen ist die soziale Komponente wichtig, aber Singleplayer ist nicht tot, wie der Erfolg von Fallout und Skyrim beweist.

In der Definition geht es weiter:

„Ein echter Gamer versucht immer etwas Zeit zum Spielen herauszuholen, egal wie gestresst er ist. Spielen ist lustig und entspannend für einen echten Gamer.“

Echter Gamer

Auch Eltern von Babys können Gamer sein – Gamer, die ihrem Hobby nur selten nachgehen können, aber immer noch Gamer.

Dieser Teil ist für meine Begriffe nur dann akzeptabel, wenn die Betonung auf dem „Versuch“ liegt. Denn es gibt Situationen, in denen Gamer diese Zeit einfach nicht haben. Kleinkinder, kranke Haustiere, pflegebedürftige Angehörige und beruflicher Stress machen es für viele Menschen schlicht unmöglich, regelmäßig zu spielen, auch wenn ihre Begeisterung für Spiele noch so groß ist. Und diese Begeisterung ist es nun auch, die einen Gamer ausmacht, nicht die Zeit vor dem Bildschirm.

Der nächste Teil zeugt von einem sehr idealisierten Bild der Spieleindustrie:

„Ein echter Gamer genießt es, ein Spiel zu spielen, nachdem er es ausgespielt hat, vielleicht nicht so regelmäßig wie davor, aber er würde es nicht verkaufen, nachdem er die Hauptaufgabe abgeschlossen hat.“

Echter Gamer

Ein Fehlkauf sollte kein Urteil zu andauernder Folter sein.

Einmal davon abgesehen, dass es PC-Spieler ohnehin sehr schwer hätten, ihre Spiele zu verkaufen, hinkt dieses Argument vor allem, weil nicht jedes Spiel dazu motiviert, es endlos zu spielen. Diese Behauptung verlangt so etwas wie eine prophetische Gabe von einem echten Gamer, niemals ein Spiel zu kaufen, bei dem die Langzeitmotivation fehlt. Nicht jedes Spiel hat den gleichen Wiederspielwert. Sicher gibt es Spiele, die man nie wirklich ausspielen kann. So gut wie alle MMORPGs fallen in diese Kategorie. Aber daneben gibt es eben auch solche Spiele, die nach einmaligem Spielen im Regal landen, weil man alles kennt.

Der letzte Teil der Definition ergibt dagegen etwas mehr Sinn:

„Ein echter Gamer kauft NICHT ein Spiel, spielt es in einem Monat durch und macht dann mit seinem Leben weiter wie bisher.“

Hier würde ich mich zumindest soweit anschließen, als dass man nicht nur einen Monat lang ein echter Gamer ist und nach dem Ausspielen eines Spiels aufhört, echter Gamer zu sein.

Trotzdem bleibt auch von dem seriös gemeinten Versuch einer Definition nicht viel übrig. Häufig angeführte Punkte wie Spielzeit halten einer reflektierten Betrachtungsweise nicht stand. Auch die, in Memes immer wieder zum Ausdruck gebrachten Anforderungen, sei es in Hinblick auf spielerische Fähigkeiten, technisches Wissen oder vorhandene Gaming-Hardware sind hochgradig subjektiv und willkürlich, oft maßgeschneidert für bestimmte Genres oder Systeme.

Der Versuch, zu definieren, wer als Gamer gelten kann, wird also zusehends schwieriger. Die Gaming-Subkultur ist alles andere als eine homogene Community. Gamer sind so unterschiedlich, wie die Spiele, die sie spielen. Längst nicht jeder Gamer kann mit allen Genres etwas anfangen. Der Fantasy-Rollenspieler in Guild Wars 2, der Fußballfan in FIFA, die Hobby-Architektin in Sims 4, der Freizeit-Gangster in GTA 5 und der E-Sports-Profi in Counter Strike haben außer der Tatsache, dass sie Gamer sind, oft sehr wenig gemeinsam.

Ohne Zweifel würden diese fünf auf die Frage, wer ein echter Gamer sei, fünf verschiedene Antworten geben und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Antworten, die die anderen vier ausschließen würden. Alle fünf Definitionen wären ehrlich und nach der persönlichen Auffassung des jeweiligen Spielers die richtigen, für die anderen beteiligten aber falsch. Es gibt folglich also eine Vielzahl subjektiver Definitionen, dessen, was ein echter Gamer ist. Und diese Subjektivität ist letzten Endes das einzige, das allen gemeinsam ist.

Ich würde die Gemeinsamkeiten daher folgendermaßen zusammenfassen:

Du bist ein echter Gamer, wenn du dich als echter Gamer fühlst und bezeichnest.“

Ja, das Selbstbild ist eine sehr weit gefasste Definition, aber es ist die einzige, die für alle Genres und Spielweisen gültig sein kann. Das mag manche Leute mit einschließen, die die Mehrheit hier vermutlich nicht als echte Gamer betrachten würde. Und ja, rein subjektiv würden mir bei dem Gedanken, Leute, deren Spielerfahrung sich auf Candy Crush Saga und Landwirtschaftssimulator beschränkt, echte Gamer zu nennen, auch die Haare zu Berge stehen, wenn das physikalisch möglich wäre. Wobei ich allerdings denke, dass die wenigsten Leute, die diese Titel spielen, sich selbst als Gamer sehen. Die Frage ist: Wo setzt man die Grenze, nach welchen Kriterien wähle ich Spiele aus, die jemanden zum Gamer machen. Letzten Endes bleibt auch hier nur das subjektive Empfinden. Und selbstverständlich ist auch das nur eine Meinung unter vielen.

Was an dieser Diskussion aber in jedem Fall positiv zu bewerten ist, ist die Tatsache, dass unsere Community in all ihrer Vielfalt auch an Selbstbewusstsein gewonnen hat. Wir sind stolz, Gamer zu sein und betrachten den Ausdruck „echter Gamer“ als Auszeichnung, die man hoch erhobenen Hauptes zur Schau trägt und nicht als etwas, das man vor seinen Mitmenschen versteckt.

Wann ist jemand für euch ein echter Gamer? Sagt es uns in den Kommentaren und folgt uns auf Facebook!