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Aufgrund der hervorragenden Grafik erfreut sich Real Life in der aktuellen Version 2.016 immer noch großer Beliebtheit. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wir sagen euch, worauf ihr beim umstrittenen Massive Multiplayer Offline Game Acht geben müsst.

Die Charaktererschaffung beginnt vielversprechend. Das Spielen am Charakter-Editor ist so lustig, dass viele Spieler diesen auch benutzen, ohne dabei neue Charaktere zu erschaffen. Entscheidet man sich allerdings für die Erschaffung eines neuen Protagonisten, fangen die Schwierigkeiten schon an.

Zum einen ist der Charakter zufallsgeneriert. Wie viel Mühe man auch in den Charaktereditor steckt, in welchen kreativen Ergüssen man sich auch ergeht, am Ende erhält man nur Zufallskost. Durch einen seltenen Bug kommt es zudem manchmal vor, dass bei einer Charaktererschaffung versehentlich zwei, manchmal sogar drei Charakterslots belegt werden. Statements der Entwickler gibt es dazu noch keine, der Fehler dürfte aber schon länger bestehen.

Real Life

Lästiger Bug: Manchmal belegt die Charaktererschaffung zwei Slots.

Neben diesem Bug, gibt es zu bemängeln, dass die Variation bei der Charaktererschaffung äußerst gering ist. Gerade mal eine spielbare Rasse, Menschen. Von den leicht unterschiedlichen Hauttexturen sollte man sich hier nicht täuschen lassen, letzten Endes ist überall das selbe drin. Da können durchgeknallte Fanbois noch so lautstark behaupten, sie hätten das bessere Build, weil sie bei der Charaktererschaffung das schweinchenrosa und nicht das schokobraun erwischt haben.

Nach der Erschaffung grüßt der nächste Bug. Sage und schreibe neun Monate dauert es, bis der neue Charakter endlich spielbar ist! Warum die lange Zeit bis zum Freischalten des Charakters? Ist die Wartezeit endlich vorbei, betritt der neue Charakter die Spielwelt auf eine äußert bizarre, für zart besaitete Gemüter verstörende, Weise: Blutig und wimmernd wird er aus einer Vagina gezogen! Wir sind ja nicht zimperlich, aber muss solche Effekthascherei denn wirklich sein? Wer denkt sich so was aus? Wundert es einen da noch, warum das Spiel so einen zwiespältigen Ruf hat.

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Vor diesem Hintergrund findet die Introsequenz statt. Videos bringen wir aus Gründen des guten Geschmacks keine.

Nach der befremdlichen Introsequenz findet man sich in einem wenig unterhaltsamen Tutorial-Level wieder. Der Aktionsradius neue erschaffener Charaktere ist stark eingeschränkt. Die Bewegungsgeschwindigkeit ist extrem niedrig. Während der Bewegung können keine Gegenstände benutzt werden und an Buff-Food ist alleine Flüssigkeit erlaubt. Dazu kommen schwerwiegende Abzüge beim Chat. Neue Benutzer können den Chat zwar benutzen, aber nur aus einer kleiner Anzahl von Wortfetzen auswählen. Was die Entwickler zu diesem Schritt bewogen haben mag? Wenn man nicht will, dass Noobs alles zuspammen, warum deaktiviert man den Chat nicht völlig? Stattdessen spammen die Anfänger überall herum und experimentieren, welche der zufallsgenerierten Silben denn vielleicht so etwas wie Sinn ergeben könnte. Das ist besonders deshalb nervig, weil es in dem Spiel auch keine Blockieren-Funktion gibt.

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Die Handelsbereiche: Viel Spam, grauenhaftes Berufssystem und miserbale Boss-KI

Nach einigen, viel zu langen, Tutorial-Levels stößt man schon auf die nächste Schwäche: Das Berufssystem. Wenn das Handwerk bei asiatischen MMORPGs schon als Grind angesehen wird, was ist dann das bitte? Das Berufssystem ist ein einziger, riesiger Timesink und bietet zudem in den meisten Berufen wenig oder gar keinen Spielspaß. Nicht einmal Routineabläufe im Berufssystem lassen sich automatisiert im Hintergrund erledigen. Wenn Spieler fast ihre gesamte aktive Spielzeit ins Berufssystem stecken müssen, sollte das den Entwicklern doch etwas zu denken geben.

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Manche Fahrzeuge machen einiges her, werden aber nur zu Wucherpreisen im Cash-Shop angeboten.

Im gleichen Levelbereich, in dem das Berufssystem zugänglich wird, werden in den meisten Startgebieten auch Fahrzeuge freigeschaltet. Bei denen herrscht leider übles Pay2Win. Weder im Handwerkssystem noch als Drop hat man realistische Aussichten auf ein gutes Gefährt, wer hier das beste will, wird einmal mehr genötigt, den Weg zum Cash-Shop zu nehmen. Generell sind der Cash-Shop und die Werbung für diesen im Spiel allgegenwärtig und mitunter sehr lästig, vor allem beim Geburtstagsevent der Entwickler. Selbiges fällt vor allem durch eine Reihe nervtötender Soundbugs auf.

Negativ fällt auch die mangelhafte KI der NSCs auf. Vor allem die Boss-KI in den Handelsbezirken ist so miserabel, dass Zombies aus Diablo 1 im Vergleich wie Absolventen einer Eliteuniversität wirken. Auch was das das Design angeht, scheinen viele NSCs trotz der guten Grafik lieblos hingerotzt, mit stark eingeschränkten Gesprächsoptionen und einem Schnarchzapfen von einer Story.

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Schlechtes Balancing: Schusswaffen werden massiv bevorzugt

Was das PVP angeht, wird es nicht besser. Waffen gibt es zwar zuhauf, viele davon aber nur im Cash-Shop oder für Mitglieder der großen PVP-Gilden. Außerdem ist das Balancing unter jeder Kritik. Fernwaffen werden gegenüber Nahkampfwaffen massiv bevorzugt. Wenn alle namhaften PVP-Gilden, wie US Army, nur noch mit Fernwaffen spielen, sollten bei den Entwicklern da nicht langsam die Alarmglocken läuten? Wenn der größte Noob mit einer Knarre einen Schwertmeister, der Jahre in den Ausbau seiner Waffenskills gesteckt hat, ausschalten kann, ist es höchste Eisenbahn für einen Balancing-Patch!

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Supportzentrale: Spieler wenden sich hier an den Entwickler, bekommen aber keine Rückmeldung

Und wo gerade vom PVP sprechen, hier lauert auch schon der nächste, schwerwiegende Bug: Das Respawning funktioniert nicht! Ja, so unglaublich das klingt, dieser Bug besteht bereits seit Release und wurde immer noch nicht gefixt. Seit 2000 Jahren versucht der Entwickler angeblich das Problem zu beheben. Fans haben Berichte verfasst, sie hätten den Sohn des Entwicklers respawnen sehen. Einige haben sogar inoffizielle Patchnotes veröffentlicht, die ein funktionierendes Respawn-System versprechen. Ein lustiges Easteregg, das noch bis heute in den Supportzentralen aufliegt, passiert ist aber konkret nichts. Wundert es da noch jemanden, wenn sich bei solchen, massiven Fehlern Unmut in der Community breit macht!

Dabei ist die Community am Zustand des Spiels aber keinesfalls unschuldig. Neuerdings haben Hacker zum Beispiel den Mod “Klimawandel” aufgespielt und das zyklische Wettersystem durch ein zufallsgeneriertes ersetzt. Das Resultat sind eine Reihe nerviger Bugs, die die Produktion von Buff-Food unnötig erschweren. Reaktionen von Entwicklerseite gibt es noch keine.

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Über jeden Zweifel erhaben: Die herzigen Pets!

Neben allen Mängeln gibt es aber lobenswerte Dinge zu erwähnen. Zum einen wären da die Pets. Hier ist RL immer noch allen anderen Spielen haushoch überlegen. Einige Pets haben sogar nützliche Zusatzfunktionen. Die Rattenquest etwa ist mit einem Katzenpet signifikant leichter zu absolvieren als ohne. Hundepets halten einem mitunter sogar lästige Werber vom Fanclub der Entwickler vom Leib! Das ist in jedem Fall ein innovatives Konzept! Neben der Grafik, wird auch beim Sound einiges geboten, wenn man bereit ist, etwas zu suchen. Wichtig ist dabei allerdings, die Events zum Entwicklergeburtstag konsequent zu meiden.

Fazit: Unterm Strich bleibt Real Life auch in der aktuellen Version ein Grafikblender mit wenig Substanz und langweiliger Story. Die vielen Bugs und Designfehler ersticken den Spielspaß oft im Keim. Auch die Community ist kein Ruhmesblatt, vor allem die vielen, zerstrittenen Fanclubs der Entwickler benehmen sich oft peinlich. Grafikenthusiasten und Freunde kuscheliger Pets können aber dennoch einen Blick riskieren. Account sollten sie ja bereits einen haben.

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