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Dieses Spiel erhielt auf einem deutschen Indie-Festival eine Auszeichnung. In Deutschland verkaufen darf man es allerdings nicht.

Attentat 1942 erzählt eine Geschichte aus der tschechischen Republik zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Das Spiel verwendet Live-Action-Videos und stützt sich auf Archiv-Material und wissenschaftliche Recherche. Dafür wurde das Projekt auf dem Indie-Festival “A MAZE” mit dem “Most Amazing Game Award” ausgezeichnet. Geschaffen wurde Attentat 1942 von Historikern und Programmieren der Karls-Universität Prag. Das Spiel wurde vom tschechischen Ministerium für Kultur gefördert. Doch obwohl das Spiel in Deutschland eine Auszeichnung erhielt, darf es in Deutschland niemand verkaufen. Denn da die Entwickler viel Wert auf historische Korrektheit legen, sind darin auch Hakenkreuze zu sehen. Attentat 1942 verharmlost oder verherrlicht allerdings das Naziregime keinesfalls, sondern setzt sich kritisch damit auseinander. Lead Designer Vit Sisler erklärt seine Absichten so:

Attentat 1942 zeigt den tiefen Einfluss, den der Krieg und das totalitäre Regime der Nazis auf das Leben der einfachen Leute hatte. Es fesselt den Spieler mit lebendiger Geschichte, einer persönlichen Tragödie und Schmerz sowie Momenten voll außergewöhnlicher Hoffnungen und Mutes.

Die Darstellung verfassungsfeindliche Symbole ist in Deutschland verboten. Es gibt davon aber einige Ausnahmen, wovon eine die künstlerische Darstellung ist.

Ausgenommen hiervon sind Handlungen der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlicher Zwecke. (§ 86a Abs. 3 i. V. m. § 86 Abs. 3 StGB)

Während das deutsche Recht aber Filme und Serien als Kunst anerkennt, wird Spielen dieses Privileg nicht zuteil. Bei einem Spiel wie Attentat 1942 wäre also eine Beschlagnahme wahrscheinlich. Daher wird das Spiel auch nicht auf deutschen Markt kommen. Diese Ungleichbehandlung ist der Grund, warum auch reine Klamaukfilme wie Iron Sky oder Inglorious Basterds ohne weiteres Hakenkreuze zeigen dürfen, während auch ein Spiel, das wie Attentat 1942 um eine ernsthafte Auseinandersetzung bemüht ist, sofort auf dem Index landet. Thorsten Wiedemann, Gründer und Direktor von A MAZE, hofft, dass Projekte wie dieses allmählich für ein Umdenken sorgen.

Dies könnte ein wichtiger Schritt auf dem Weg sein, Videospiele in Deutschland als Kulturmedium mit den gleichen Rechten und Pflichten anderer Kunstformen zu etablieren.

Auf der Gamescom 2017 würdigte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel digitale Spiele als “Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung“. Konsequenzen aus dieser vollmundigen Aussage blieben bisher aber leider aus.

In Österreich könnt ihr Attentat 1942 übrigens legal erwerben, da das österreichische Recht die Intention hinter der Darstellung berücksichtigt. Verboten ist nur, was NS-Verbrechen leugnet, verharmlost oder verherrlicht.

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