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Laut WHO gilt Online-Spielsucht nun offiziell als Krankheit. Die umstrittene Entscheidungen stößt bei Wissenschaftlern auf Kritik.

Online-SpielsuchtHeute gibt die Weltgesundheitsorganisation WHO die «Internationale Klassifikation der Krankheiten» (ICD-11) heraus. Darin wird Online-Spielsucht oder Gaming Disorder erstmals offiziell als Krankheit eingestuft. Krankenkassen verwenden die ICD-11 als Richtlinie bei der Erstattung von Leistungen. Der Katalog enthält 55.000 Einträge zu Krankheiten, Verletzungen und Todesursachen und wurde das letzte Mal vor 28 Jahren neu aufgelegt.

Die Entscheidung der WHO ist keinesfalls unumstritten und stößt bei vielen Wissenschaftlern auf massive Kritik. So warnt der Psychologe Andy Przybylski von der Universität Oxford gemeinsam mit 30 Kollegen in einem offenen Brief an die WHO vor den Missbrauchsmöglichkeiten. Vielmehr müsse geprüft werden, ob bei Patienten, die zu viel Spielen nicht tiefer greifenden Probleme wie Depressionen oder soziale Angststörungen vorliegen.

Auch der Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt hält wenig von der neuen Klassifizierung. Er warnt davon, dass Spieler nun schlagartig als therapiebedürftig eingestuft werden könnten. Er kommentiert den WHO-Schritt sarkastisch so:

Wer beim Spielen schon mal etwas Anderes hat schleifen lassen – Hausputz, Aufräumen oder andere lästige Arbeit – muss dringend zum Arzt. Sie könnten ernsthaft krank sein. Den umtriebigen Blogger von nebenan sollten Sie vorsorglich auch melden, damit er zwangseingewiesen wird.

Die Einstufung könnte zum Dammbruch werden und vielen weiteren “Medien-Krankheiten” Vorschub leisten.

Von Handy-Sucht bis Social-Media-Depression wäre vieles als eigenständige «Medien»-Krankheit denkbar. In der Folge wären zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene qua Definition von heute auf morgen therapiebedürftig.

Vladimir Poznyak vom WHO-Programm Suchtmittelmissbrauch bestreitet das und betont, dass es einen Unterschied zwischen normalem Spielen und Spielsucht gebe. Als Kriterien für Spielsucht nennt die ICD-11 drei Punkte:

  • Entgleitende Kontrolle bei Häufigkeit und Dauer des Spielens
  • Wachsende Priorität des Spielens vor anderen Aktivitäten
  • Weitermachen auch bei negativen Konsequenzen

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