Spiele als politische Propaganda waren selten qualitativ hochwertig. Mit diesem Machwerk haben Propaganda-Spiele einen neuen Tiefpunkt erreicht.
Propaganda-Spiele zeichneten sich bisher noch nie durch spielerischen Tiefgang aus. Egal ob der Spieler für die CSU Bayern nach Diamanten durchsucht, als Feministin Männern Tampons an den Kopf wirft oder biblischen Geschichten nachspielt, in der Regel werden solche Spiele bald eintönig. Diese Regel bestätigt auch der neueste propagandistische Zugang auf Steam: Das Mini-Game Super POTUS Trump.
Der Ausdruck POTUS ist eine in den USA gebräuchliche Abkürzung für „President of the United States“. Spielerisch gesehen handelt es sich dabei um einen recht plumpen Super Paper Mario-Klon. Das Indie-Spiel des Trump-Fans Chris Emerson stellt Trumps Weg ins Weiße Haus als eine Serie von rundenbasierte Kämpfen dar. Um Angriffe auszuführen muss der Spieler dabei zu den richtigen Zeitpunkten auf die Maustaste drücken. Wenn es schlecht um die eigene Gesundheit steht, helfen Chicken Nuggets, um Trump wieder fit zu bekommen.
Dass das Spiel als Free-2-Play beworben wird, ist dabei in etwa so ehrlich wie Trumps Wahlkampf, denn tatsächlich handelt es sich bei der Gratis-Version nur um eine 10-minütige Demo, bei der ihr den ersten von sechs Kämpfen austragen könnt. Für die anderen fünf und die Möglichkeit, Outfits freizuschalten, werden zwei Euro fällig, als exakt zwei Euro zu viel. In der Demoversion kämpft ihr gegen „Fake News“, in diesem Fall verkörpert durch „FNN“ (Fake News Network), was natürlich gegen CNN gerichtet ist.
In der Vollversion geht es dann gegen die anderen Feindbilder der Trump-Anhänger, darunter Hollywood, Demonstranten und Mexiko. Als Endgegnerin tritt Hillary Clinton dem streitbaren Milliardär gegenüber. Alle, die sich von diesem Spiel Satire erwarten, werden enttäuscht sein, denn es handelt es sich um platte, unverhohlene Propaganda. Unter Anderem lobt der Entwickler Trump als „legendären Patrioten“.
Auch sprachlich ist klar erkennbar, welche Agenda der Entwickler verfolgt. Der Jargon der Alt-Right-Bewegung ist allgegenwärtig. So gibt es etwa die Schwierigkeitsgrade „Snowflake“ und „Rigged“. Mit dem Wort „Snowflake“, also Schneeflocke, diskreditieren die amerikanischen Rechten politische Gegner als überempfindlich. Verschwörungstheoretiker sprechen gerne von seinem System, das „rigged“, als manipuliert sein. Hillary Clinton wird als „Crooked Hillary“, also „krumme Hillary“ beschimpft.
Steam-Achievements verdient ihr mit diesem Spiel übrigens sehr schnell. Die erste drei gibt es schon für das Herunterladen und Starten des Spiels. Die Frage ist nur, ob ihr diese Erfolge auf euren Accounts haben wollt. Donald Trump selbst hat sich zu dem Spiel übrigens noch nicht geäußert. Tatsächlich ist der 45. US-Präsident alles andere als Freund von Videospielen, wie aus einem Tweet aus dem Jahr 2012 hervorgeht. Damals behauptete Trump, Gewalt in Videospielen würde Monster erschaffen und müsse verboten werden.
Video game violence & glorification must be stopped—it is creating monsters!
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) December 17, 2012
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